Kasiasolde

 

Eine Zusammenfassung von Graf Heidan von Kasiasolde

 

Das Königreich Kasiasolde liegt mitten in Altrageria, versteckt in einem weiten Walde. Klein und unbedeutend erscheint es in den Augen der Landesregierungen, die es überhaupt kennen – aber eigentlich kennt es ohnehin niemand. Viel zu unbedeutend für internationalen Interessen ist dieses Königreich. Viel zu klein nicht nur das Land, sondern auch ihre Wirtschaft und ihre Militärs. Ganze 40 Kasiasoldaner durften sich in Spitzenzeiten als Mitglied der Garde betiteln. Nichts desto trotz (oder vielleicht deswegen?) ist jeder Kasiasoldaner unwahrscheinlich stolz auf sein Volk. Nirgendwo wird man einen Bewohner finden, der nicht das eigene Krauttabak in den Himmel lobt oder der sich von dem Königshaus distanziert. Man lebt in einer abgeschiedenen Welt, hat praktisch nichts mit anderen Völkern in irgendeiner Art zu tun und möchte dies eigentlich auch gar nicht.

Wer jetzt allerdings auf die Idee kommt, wir wären fremdenfeindlich oder so, dem kann ich das getrost verneinen. Auch in Kasiasolde lebt eine wenn auch kleine, so aber doch vorhandene, Gruppe „Aussiedler“. Neben einem Katzenwesen und ein paar Elfen, die sich in den weiten Wäldern des Landes niedergelassen haben, durchstreift auch eine Gestaltwandlerin das Königreich. Sie alle wurden im Laufe der Zeit bewusst oder unbewusst von den Kasiasoldanern akzeptiert und in die Gemeinschaft aufgenommen. Mann ist offen gegenüber anderen Völkern, man hat nur nicht das Verlangen, sich aktiv in die Weltpolitik einzumischen. Warum auch, man hat hier doch alles, was man benötigt. Und durch die geringe Diebesaktivität auch eigentlich nichts zu befürchten – darum ist auch die Garde derart klein. So ganz nebenbei: in ganz Kasiasolde existiert nicht ein einzige Gefängnis. Der Stadtkämmerer „Dreihand“ Handeland hat vor einiger Zeit herausgefunden, dass es sich nicht lohnt, einen Kerker zu besitzen, der ohnehin nie benutzt wird – also funktionierte er in kurzerhand in eine Speisekammer um. Und niemand hat es bisher bereut.

So ist der Kasiasoldaner stolz auf sein Land und sein Volk. Er lebt sein schönes Leben, freut sich über das heranwachsen der Kinder und fühlte mit der Königin, als der lang ersehnte Thronfolger Kasidar endlich geboren wurde. Habt Ihr, werter Leser, schon einmal ein gesamtes Königreich auf den Beinen gesehen? Ich meine wirklich ausnahmslos? Dann hättet Ihr in jener Stunde in Kasiasolde-Stadt vor der Burg sein müssen. Dies war eine der größten Feiern des Königreiches, die jemals niedergeschrieben wurden (nach dem großen Brand natürlich). Girlanden aus Blumen schmückten die Große Straße in Kasiasolde-Stadt. Vom frühen Morgen bis in die späte Nacht feierte Kasiasolde die Geburt Kasidar’s. Es war ein wirklich großes Fest.

 

Ein bisschen Wissenswertes:

Ungefähr 3500 Personen der Rasse Mensch leben in Kasiasolde, dazu sehr vereinzelt Mitglieder anderer Rassen. Jede Familie besteht aus sechs bis sieben Personen. Jedes kasiasoldanische Kind geht für zwei Jahre neben der normalen Arbeit in der Familie zur „wissenswichtigen Lernzeit“, in der ihm neben Lesen und Schreiben viel über die kasiasoldanische Geschichte und das grundlegend wichtige Wissen beigebracht wird. Der Beruf des „wissenswichtigen Übermittlers“ ist angesehen und gilt als ein hochgelehrter Beruf. Zumeist übernehmen Menschen diese Aufgabe, die zwar gering magisch begabt sind, aber bei denen dies nicht für die magische Akademie reicht. Nun werdet Ihr Euch, geneigter Leser, natürlich fragen, wie ein so kleines Königreich zu einer eigenen magischen Akademie gelangte. Um dies zu beantworten, möchte ich die Worte des berühmten Balgon Holgendörfer wiederholen, dem berühmtesten der Vorsteher der magischen Akademie. Er erklärte diese Frage folgendermaßen:

„Stellt euch vor, Ihr wäret der größte aller Riesen, das gewaltigste aller großen Geschöpfe. Wenn Ihr über die Landschaften der Welt schreiten würdet, wäre folgendes nicht vor Euren Augen verborgen: manche Landschaften sind grün vor den wogenden Wäldern, andere gelb vor dem alles verschlingenden Sand – hier würdet Ihr kaum einen Baum finden. Manche Gebiete sind besiedelt von einem Menschen neben dem Anderen, andere wiederum ließen sich Sonnenlauf um Sonnenlauf bewohnen, ohne auch nur die Andeutung eines Wanderers vor das Gesicht zu erhalten. Es ist uninteressant, ob dort, wo Ihr euch befindet, etwas nicht ist – an einem anderen Ort werdet Ihr es zuhauf auffinden. Genauso ergibt es sich mit den magischen Strängen dieser Welt. Ist sie in einem Ort sehr gering vertreten, und seine Einwohner bis auf wenige Ausnahmen nicht der herrlichen Magie verbunden, so ist es in Kasiasolde wie in einer Meerenge magischer Strömungen. Von Kindesbeinen an ist mein Volk durchwachsen von der unsichtbaren Flut der Kraft des Herrn. Wenn im zarten Alter der Kindheit ein Kasiasoldaner nun sein Herz dieser unbekannten Kraft erschließt, so wird er eines Tages ein großer Magier und Gelehrter seines Volkes sein. Und mein Volk hat schon seit jeher verstanden, sein Herz zu öffnen und Frieden und Freiheit in sich aufzunehmen – und damit die Kraft und das Verständnis zu erhalten, die Schleusen der magischen Ströme für sich und dem Wohle seines Volkes zu erkennen. Und damit diese Schleusen nicht brechen und ungehindert auf das Land des Wohlgefallens hinabfließen und es ertränken können, wurde unsere Akademie zur Ehre des Herrn erbaut. Hier wird ein jeder meines Volkes, der die Kunst der Magie zu beherrschen vermag, in eben jener Kunst gelehrt und auf die steinernen Pfade des vor ihm liegenden Weges vorbereitet.“

In der Tat ist es so, dass ungefähr jeder zehnte Kasiasoldaner zumindest in einer geringen Form magisch begabt ist, wie bei Untersuchungen hervorkam. Und somit benötigte Kasiasolde eine sichere Möglichkeit, jene, die auch die höheren Formen der magischen Strömungen erreichen können, auszubilden. Darum wurde vor vielen Jahren die magische Akademie gegründet, in der seit einiger Zeit auch die wissenswichtige Lernzeit abgehalten wird. 

 

Kasiasolde-Stadt

Mitten in Kasiasolde liegt als Zentrum des Landes die gleichnamige Stadt – die einzige des Königreiches. Traditionell wird sie vom Stadtvorderer verwaltet und ist die Heimat der Königsfamilie. Hier steht die Burg des Königs und die Akademie der magischen Künste. Hier ist der Sitz der königlichen Garde, und hier wohnen die meisten Kasiasoldaner. Fast die gesamte verarbeitende Wirtschaft sitzt in der Stadt. Ebenso ist hier der zentrale Marktplatz (der sogenannte „Große Marktplatz“) und damit auch das Zentrum aller kasiasoldanischen Festlichkeiten.

  

Provinz Esteland

Im Norden von Kasiasolde liegt Esteland mit seinen zwei Dörfern. Hier, in den etwas hügeligeren Bereich des Königreiches, haben sich auf den Lichtungen die für Kasiasolde wichtigen Tabakpflanzer angesiedelt. Das gute Klima sowie die für ganz Kasiasolde enormen Sonnenzeiten (unter dem Walddach scheint die Sonne leider so selten) lassen hier eine ganz eigene Art von Tabak heranreifen – der Stolz eines jeden Esteländers. Zudem haben sich hier oben die Schafzüchter des Landes angesiedelt. Damit ist Esteland DAS Wollzentrum des Königreiches. Man sagt, dass jeder Kasiasoldaner grundsätzlich immer Kleidung aus dieser Provinz trägt. Aber eigentlich gibt es ja auch schließlich nichts anderes...

  

Provinz Egenwald

Egenwald stellt traditionell den Landesvorderen des Königreichs. Da aus dem einen Dorf Egenwalds die berühmten Baumeister des Landes kommen (welche natürlich über Kasiasolde hinaus vermutlich genauso unbekannt sind wie das Königreich selbst) und entsprechend dieses die einzige Provinz mit einer geregelten Holzwirtschaft ist, ist dieser Schritt eigentlich nur logisch. Des weiteren ist Egenwald mit seinen hervorragenden Jägern ein wichtiger Nahrungsmittellieferant des königlichen Hofes. Natürlich gibt es nicht nur in dieser Provinz Wälder – diese erstrecken sich eigentlich über das komplette Königreich.

 

Provinz Helingard

Die räumlich größte Provinz in Kasiasolde ist das im Süden liegende Helingard. Man kann eigentlich sagen, dass hier die kräftigsten und meisten Menschen Kasiasoldes herkommen – ob das nun an den hier ansässigen Getreidebauern, den wenigen Rinder- und Schweinehirten oder dem berühmtberüchtigten Gerstensaft liegt, sei dahingestellt. Und, wie sollte es somit auch anders sein, aus Helingard kommt natürlich traditionell der Hauptmann Kasiasoldes.

Helingard, ungefähr so groß wie Egenwald und Esteland zusammen, besitzt übrigens neben dem Dorf Helindorf auch mit Wasserfurt den einzigen Hafen des Landes. Die Wasserfurter sind darauf verständlicherweise sehr stolz – auch wenn hier im Jahr nicht mehr als ein oder zwei Schiffe anlegen, die nicht aus Kasiasolde kommen. Wer jetzt denkt, Kasiasolde würde sonderlich mit dem Ausland handeln, dem kann ich getrost versichern: dem ist nicht so! Der Hafen ist eigentlich nur dazu da, den wenigen Fischern, die sich tatsächlich auf das Meer hinaustrauen (wir Kasiasoldaner sind seeehr bodenständig), eine Auslaufstelle zu bieten.

 

Provinz Holgendorf

Diese im Westen von Kasiasolde gelegene Provinz besteht nur aus einem einzigen Dorf und ein klein wenig Land herum. Diese Provinz stellt traditionell den Stadtvorderen des Königreiches. Stolz wie Oskar sind die Holgendorfer auf die größte Geburtenrate magisch begabter Kasiasoldaner im Königreich. Auch kommen eigentlich alle Hohepriester des Herrn aus dieser Provinz. Auch der Stadtkämmerer ist fast immer ein Holgendorfer. Man vermutet, dass diese Konzentration an magisch Begabten, klerikal Angehauchten und geldgierig Veranlagten (pardon, natürlich an mathematisch Talentierten) an einem magischen Knoten an der Quelle des Helinbachs liegt. Nach einer alten Sage (die noch aus der Zeit vor dem großen Brand stammt), soll hier Balgon Holgendörfer, der berühmteste und wohl mächtigste Vorsteher der magischen Akademie, gezeugt worden sein. Doch diese Geschichte sei an anderer Stelle erzählt.

Auf jeden Fall entspringt in Holgendorf direkt in einem kleinen Hügel in der Mitte des „Runden Marktplatzes“ der Helinbach und fließt durch die Provinz Helingard direkt zum Meer. Der große Egenwalder Baumeister Franz Haraldmann baute von diesem Fluss aus die noch immer in Nutzung befindlichen kasiasoldanischen Wasserkanäle. Diese bewässern zum einen während der trockenen Monate die Getreidefelder Helingards und bringen Wasser in den recht nahen See „Kasidarssee“. Dieser auf einer sehr schönen Lichtung gelegene See liegt in nächster Nähe zur Kasiasolde-Stadt. Auch zum Kasidarsee erzählen die kasiasoldanischen Barden (allen voran natürlich der königliche Barde Hederon zu Esteland) eine schöne Geschichte. Aber auch diese sei an anderer Stelle erzählt.

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